Capoeira Brasil e.V.
Capoeira Brasil e.V.  

Der Name Pau Brasil

Der Name der Gruppe entstammt von einem in Brasilien vorkommenden Baum, dem Pau Brasil (Brasil-Holz), der auch dem Land seinen Namen gegeben hat. Dieser Baum war ein edles Naturprodukt, welches bald den portugiesischen Entdeckern zum Opfer fiel. Aufgrund seiner roten Pigmentierung, welche zum Einfärben von Kleidung verwendet werden kann, wurde er tonnenweise von Sklaven im Urwald geschlagen und anschliessend auf Segelschiffen nach Europa in die Textilfärbereien exportiert. Heute ist er nahezu ausgestorben.

Die Gruppe Pau Brasil wurde 1987 von Mestre Formiga in Brasilien/São Paulo gegründet. Im Juni 2004 wurde die erste Batizado der Gruppe in Deutschland durchgeführt, dabei wurde die bereits seit 5 Jahren existierende Gruppe du Balé von Mestre Formiga übernommen.
Nach dessen Tot führt nun sein Bruder, Contra Mestre Ganga, diese Arbeit fort. Zusätzlich konnte Mestre Canseira als Padrinho für die Gruppe gewonnen werden.

 

     

Capoeira

Der Ursprung bzw. die Ursprünge der Capoeira sind bis heute nicht eindeutig geklärt. War es eher ein Tanz, der zum Kampf wurde oder doch eher ein Kampf, der zum Tanz wurde? Bis heute gibt es mehrere Theorien darüber, wie die Capoeira entstanden sein könnte. Die allgemein gängigste Theorie ist, das Capoeira während der Kolonialisierung Brasiliens durch die Portugiesen auf den Zuckerrohrplantagen der Obrigkeit entstanden ist. Die Sklaven, die hauptsächlich aus Angola nach Brasilien verschifft wurden, hatten keine Möglichkeit sich gegen die Besetzer mit Waffen zu wehren. Also fingen sie heimlich an eine Selbstverteidigungstechnik zu entwickeln (Capoeira : zu Deutsch: Unterholz). Da es den Sklaven natürlich verboten war, jegliche Form von Kampfsport auszuüben, tarnten sie die Capoeira als Tanz., um dadurch einer sonst unvermeidlichen Strafe bei Entdeckung zu entgehen (vgl. „Spiele der Welt“,2001).

 

1.2 In der Sklaverei

 

Ab ca. 1814 begann jedoch trotzdem in Brasilien die Verfolgung und Unterdrückung der Capoeira durch die weißen Herren, und 1890 wurde sie endgültig per Gesetz verboten. Doch welchen Grund gab es für die weißen Herren, diese Ausdrucksweise der Sklaven zu verbieten? Capoeria war eine kulturelle Ausdrucksform der „Neger“. Sie gab ihnen viel Selbstvertrauen, schmiedete aus ihnen gefährliche Kämpfer und bescherte den Sklaven ein gewisses „Nationalgefühl“. Auch wenn sie nicht alle aus der gleichen Gegend Afrikas kamen, so besaßen sie durch die Capoeira doch etwas, das sie vereinte und ihnen ein Zusammen gehörigkeitsgefühl vermittelte ( vgl. Nestor Capoeira (2000),2000,S.30-31). Das war für die weißen Regierenden Grund genug, sie verfolgen und bestrafen zu lassen. Allerdings konnten sie nicht, wie durch das Verbot erwünscht, den Untergang der Capoeira herbeiführen, da diese weiterhin im “Untergrund“ existierte. Dies vor allem in der Provinz Bahia und in Rio de Janeiro.

 

1.3 Entwicklung der Capoeira

 

zwischen 1800 und 1900 in Rio de Janeiro Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren Capoeiristas zumeist schwarze Bandenmitglieder und arme Leute, die „mit Klappmessern bewaffnet“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.33) durch die Straßen von Rio de Janeiro zogen. Aus diesem Grund wurden diese Banden zwangsläufig von Staat und Polizei verfolgt. 1824 wurden beispielsweise Capoeiristas zu jeweils 300 Peitschenschlägen und zu Zwangsarbeit verurteilt. Capoeira war zu jener Zeit eine richtige „Straßenkampftechnik“, die, bedingt durch die sozialen Missstände, im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger aus den verschiedenen afrikanischen Nationen bekam (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.34). Ab 1850 breitete sich die Bewegung der Capoeira auch auf andere Bevölkerungsgruppen aus. Auch schon „befreite Sklaven, Polizeibeamte, reiche portugiesische Einwanderer , Intellektuelle und sogar die Jugend der Elite von Rio“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.34) schlossen sich der Bewegung an. Als Brasilien 1865 in den Krieg gegen Paraguay eintrat, wurden Bataillone von Capoeiristas gewaltsam rekrutiert, um der brasilianischen Armee zu dienen (vgl. Nestor Capoeira (2000), S.36). Zu dieser Zeit gab es während eines Capoeira-Kampfes bereits die Begleitung durch Trommeln und Gesang, jedoch noch nicht den Berimbau, der heute als heiliges Instrument der Capoeira angesehen wird. Auch gab es noch keine Akademien, in denen Capoeira unterrichtet wurde; es gab lediglich „Capoeira-Trupps (Banden)“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S. 37), in denen man sich Kenntnisse aneignen konnte. Um in eine solcher Gruppen aufgenommen zu werden, musste man zuerst als Diener und Handlanger tätig sein. „Das Ende dieser „Lehrzeit“ wurde durch das Tragen des Klappmessers und eines Hutes angezeigt“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.37). Capoeira war eine Politik der Straße. Der Kampf auf der Straße vermischte sich oftmals mit den parteipolitischen Auseinandersetzungen der Elite Brasiliens. Capoeiristas erfüllten mit Regelmäßigkeit Aufgaben und Aufträge einiger politischen Gruppierungen.

 

1.4 Beginn einer neuen Ära

 

Die Akademien von Bimba und Pastinha 1930-1950 Die zwei wichtigsten Persönlichkeiten der Capoeira dieses Jahrhunderts sind ohne jeden Zweifel „Mestre Bimba“ und „Mestre Pastinha“. Beide gehörten zu den ersten Meistern, die Capoeiraschulen eröffneten und ihr damit eine neue Entwicklungsrichtung gaben.

 

1.4.1 Mestre Bimba

 

Bimba wurde 1900 in Salvador im Bundesstaat Bahia geboren und begann im Alter von 12 Jahren mit der Capoeira. In dieser Zeit befand sich die Capoeira unter strengster Verfolgung mit Androhung höchster Strafen (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.41). 1930 änderte sich jedoch die Situation. Das Ausführen von Capoeira wurde nun genehmigt. Mestre Bimba begann einen neuen Capoeirastil zu erschaffen: die sogenannte „Luta Regional Baiana“ (regionale Kampfkunst Bahias), heutzutage besser bekannt als „Capoeira Regional“. Dieser neue Stil fand sehr schnell Verbreitung, da Bimba als erster begann Akademien zu gründen, in denen er seine Capoeira Regional unterrichtete. Davor gab es einen solchen Capoeira-Unterricht nicht. Man hatte eigentlich nur die Möglichkeit, sich die Bewegungen bei den „alten Hasen“ abzugucken und hoffte darauf, vielleicht einmal einen Tipp von diesen zu bekommen. Mit seinen Schulen öffnete Bimba nach der Zeit der Sklaverei und des Untergrundes nun die Tür für das Zeitalter der Akademien, in denen jetzt auch Bürger der Mittelklasse und das Bürgertum Salvadors (Hauptstadt der Provinz Bahia) trainierten (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.42-43). Bimba brachte Techniken aus anderen Kampfsportarten wie Judo, Boxen oder Ringen in die Capoeira ein. Hohen Bekanntheitsgrad erreichten vor allem die von Bimba eingeführten “Sequencias“. Bestimmte Sequenzen von Bewegungsabfolgen, die jeweils von zwei Schülern ausgeführt wurden. Mestre Bimba hatte sehr viel Erfolg mit seiner neuen Capoeira Regional, jedoch führten die vielen neuen Bewegungen und das neue Publikum zu einer großen Veränderung der Capoeira dieser Epoche. Die alte traditionelle Capoeira trat in den Hintergrund, ohne jedoch dabei zu verschwinden. Viele Meister unterrichteten weiterhin den alten Stil, von denen besonders Mestre Pastinha einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.43).

 

1.4.2 Mestre Pastinha

 

Mestre Pastinha wurde 1889, also 11 Jahre früher als Mestre Bimba, geboren. Im Gegensatz zu Bimba war Pastinha eher von kleiner Statur, jedoch nicht weniger gefährlich. Ebenso wie Bimba eröffnete er mehrere Capoeira –Akademien, in denen er allerdings nicht die Capoeira-Regional, sondern die traditionelle Capoeira lehrte. Dieser Stil bekam daraufhin den heute noch immer gebräuchlichen Namen „Capoeira Angola“ (vgl. Nestor Capoeira (2000), S.44).

 

1.5 Die Vereinheitlichung der Capoeira

 

In den siebziger und achtziger Jahren breitete sich Capoeira auch in Europa und in den USA aus. Bahia verlor seine Vormachtstellung als „wahrer Capoeira Ursprung“ mit den Mestre Bimba und Pastinha. Die Capoeiragruppen aus Rio und Sao Paulo wurden immer größer und bedeutender. Aufgrund des besseren „Show-Effektes“ und des begleitenden Spektakels, das dem Zuschauer geboten wurde. begann die Capoeira Regional der Capoeira Angola immer mehr den Rang abzulaufen (vgl. Nestor Capoeira (2000), S.48-50). Aus bis heute nicht geklärten Gründen begann jedoch ab ca. 1985 bis 1990 ein erneuter Aufschwung der Capoeira Angola, so dass es wieder zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen den beiden Stilarten kam ( vgl. Nestor Capoeira (2000),S.51).

 

2. Das Spiel im Kreis (Roda)

 

Das Spiel in der Roda, dem Kreis, der von den Capoeiristas gebildet wird, besteht aus drei Elementen: der Musik, dem Gesang und dem körperlichen Spiel. Alle drei Elemente gehören unbedingt zusammen und dürfen bei einer „echten“ Roda nicht fehlen.

 

2.1 Musikalische Spiel

 

Das musikalische Spiel besteht aus den vier elementaren Instrumenten der Capoeira: dem Berimbau, dem Pandeiro, der Atabaque und dem Agogo. Das bedeutendeste Instrument für die Capoeira ist ohne Zweifel der Berimbau, der schon teilweise den Platz eines heiligen Instrumentes in der Capoeira (vor allem der Capoeira Angola) einnimmt. Der Berimbau ist ein Bogen aus Holz (im Idealfall echtes Berimbaholz), der mit einem Draht gespannt wird, der meistens aus einem Autoreifen entnommen wird. Um diesen Draht wird die Cabassa gespannt. Die Cabassa ist ein Tonkörper, der aus einem Kürbis geschnitzt wird. Hinzu kommen noch das Caxixi, getrocknete Samenkörner in einem Strohgeflecht, ein Stein und ein schmaler Holzstab. Den Berimbau hat seinen Ursprung in Afrika und wurde von den Sklaven mit nach Brasilien gebracht. Jedoch war er zunächst nicht wesentlicher Bestandsteil der Capoeira und erlangte erst durch Mestre Bimba seine besondere Bedeutung. Der Berimbau gibt immer den Rhythmus des Spiels vor und ist das Instrument, das mit der Musik beginnt (vgl. „Spiele der Welt“). Daran anschließend erklingen die Pandeiros, sogenannte Handtrommeln (Tamburin) ,die auch in vielen anderen Ländern und Musikstilen beheimatet sind. Als drittes Instrument kommt dann die Atabaque hinzu. Die Atabaque ist eine Trommel, die den Congas sehr ähnelt, doch in den Herstellungsmaterialien Unterschiede aufweist. Zuletzt kommt schließlich das Agogo hinzu. Eine metallisches Gerät, das mit einem Stock bedient wird und Glockengeräusche erzeugt.

 

2.2 Wortspiel / Gesang

 

Nachdem der Rhythmus begonnen hat und alle Instrumente involviert sind, beginnt der Gesang. Als erstes singt einer der Capoeiristas die Ladainha. Dies ist eine Art Einleitungslied, in dem die Capoeiristas auf das kommende Spiel „eingeschwört“ werden sollen. Während dieses Liedes darf das körperliche Spiel noch nicht begonnen werden. Auch das Klatschen mit den Händen ist verboten. Nach diesem Lied kommt die Chula. Hier werden nun auch die anderen Capoeiristas mit in das Spiel einbezogen. Der Sänger singt jeweils eine Strophe vor, auf die der Chor Mitspieler immer mit einen bestimmten Refrain antwortet und gleichfalls zur Melodie rythmisch klatscht. Die Lieder handeln von den unterschiedlichsten Themen: Religion, Liebe, Sklaverei, Heimat, alles ist möglich. Sie kommentieren jedoch auch das jeweilige Spiel in der Roda. Dabei werden zumeist Metaphern benutzt, um eine bestimmte Sache auszudrücken. Beispiel: „Ich bin auf einen Blatt ausgerutscht, schwipp, schwapp“, im Falle eines mit der Fußfegertechnik zu Boden gebrachten Spielers.

 

2.3 Das körperliche Spiel

 

Jetzt, wo Musik und Gesang zu einer Einheit geworden sind, kann das eigentliche Spiel, das „Jogo“ beginnen. Zwei Spieler kauern zu Füßen des Berimbau und starten von dort aus mit einem Rad in die Roda. Nun werden alle Techniken dargeboten, ohne jedoch einen Köpertreffer zu erzielen. Die Kunst der Capoeira liegt darin, seinen Körper zu kontrollieren und ihn passend zum Rhythmus der Musik und zu den Tritten des Gegenübers zu bewegen. Wie .eine Art Schattenboxen kann man sich dies vorstellen. Natürlich kommen auch ab und zu Körpertreffer vor; jedoch dienen sie mehr zum Aufzeigen der Defizite und erklären somit, woran noch gearbeitet werden muss. Man versucht sozusagen sein Gegenüber auf „elegante und nette Weise“ zu Boden zu bringen. In der folgenden Tabelle sind einige dieser inoffiziellen Capoeiraregeln aufgelistet. Diese Regeln kennt jeder Capoeirista und sie müssen daher nicht vor jeder Roda angekündigt werden.

 

2.4 Inoffizielle Regeln ( vgl. J.Lewis „Ring of Liberation“ Seite 92)

 

1 ) Active play is between two contestants inside the ring

1.1 Obey the conventions for entering and leaving the ring

1.2 During play don´t move outside the ring

1.3 Shake hands with your opponent before and after the bout.

 

2) Try to take your opponent down.

2.1 Only feet, hands and head should touch the ground.

2.2 Don´t try to injure opponent physically.

2.3 No strikes with closed fist are permitted.

2.4 No pushing allowed, except as part of a takedown.

2.5 Emotional, physic and/or prestige damage are okay.

 

3) Always be ready to defend against an attack.

3.1 Don´t turn your back on opponent.

3.2 Keep your hands up for protection.

3.3 Keep your eyes on your opponent at all times.

 

4) There is no play without music ( Berimbau).

4.1 Music starts before musical play.

4.2 When music stops, play stops.

 

5) Don´t block attacks ( exept before they mature)

5.1 Escape, then counterattack.

5.2 Be prepared to escape from most common attacks.

5.3 Be prepared to attack most common escapes.

 

6) Keep moving ( ginga).

6.1 Try to increase your freedom of movement while decreasing that of your opponent.

6.2 Never come to a complete stop.

 

7) Try to deceive your opponent into becoming vulnerable.

7.1 Establish patterns, only to break them.

7.2 Pretend to do one thing, then do another

 

Wann aber endet ein Spiel zweier Capoeiristas und wann beginnt ein neues Spiel? Wenn ein neuer Spieler in die Roda möchte, so muss er das Spiel kaufen („comprar o jogo“). Dies geschieht. Indem während des Spiels ein Spieler vorsichtig in den Kreis geht, einen anderen Spieler anschaut, ihm ein Handzeichen gibt und dann wartet bis daraufhin dieser andere Spieler den Kreis verlässt. Dies sind feste Capoeira Regeln. Wenn man als Spieler „herausgekauft“ wird, muss man den Kreis auch verlassen und darf nicht darin bleiben. Ausnahmen gibt es nur bei den „Mestres“, die nur dann eine Roda verlassen müssen, wenn sie es selbst möchten. Die Bewegungen im Kreis beinhalten viele Kicks und Tritte wie auch in anderen Sportarten. Jedoch gibt es bei der Capoeira Regional zusätzlich auch sehr viele akrobatische Bewegungen (Salto, FlicFlac, Handstandüberschlag),.die mit in das Spiel einbezogen werden. Viele dieser Bewegungen wurden der Tierwelt nachempfunden und tragen daher auch die Namen dieser Tiere (Affe, Schwanz des Rochen, Flug der Fledermaus, etc.). Die Grundbewegung und Basis aller Capoeira Bewegungen ist die „Ginga“. Ein rhythmischer Grundschritt, der die Grundlage für das Capoeiraspiel ist. Beim Capoeira bleibt man niemals stehen, wie vielleicht bei anderen Kampfsportarten, sondern der Körper muss ständig in Bewegung bleiben und wenigstens die Ginga ausführen.

 

2.5. Ränge

 

Ebenso wie in den asiatischen Kampfsportarten, gibt es auch in der Capoeira verschiedene Ränge und Gürtelfarben. Jedoch gibt es kein einheitliches Farb- und Gürtelmuster. In der einen Schule ist der rote Gürtel der Gürtel des Meisters. In einer anderen Schule ist es vielleicht der Gelbe und in einer dritten Schule der Grün-Weiße. Ebenso unterschiedlich sind die Stufen bis zur Meisterprüfung. Die Zahl liegt zwischen zehn und dreißig Stufen, je nach Schule. Ebenso uneinheitlich sind die Anforderungen, um einen neuen Rang, eine neue Stufe, zu erhalten. Manche Schulen legen mehr Wert auf das Singen und das Musizieren. Andere wieder auf Kicks oder auf „Sequencias“. Gemeinsam jedoch haben sie, dass der Meister jeweils den höchsten Rang darstellt und danach der „Contramestre“ und der „Professor“ folgen.

               

 

1.1 Die Ursprünge

 

Der Ursprung bzw. die Ursprünge der Capoeira sind bis heute nicht eindeutig geklärt. War es eher ein Tanz, der zum Kampf wurde oder doch eher ein Kampf, der zum Tanz wurde? Bis heute gibt es mehrere Theorien darüber, wie die Capoeira entstanden sein könnte. Die allgemein gängigste Theorie ist, das Capoeira während der Kolonialisierung Brasiliens durch die Portugiesen auf den Zuckerrohrplantagen der Obrigkeit entstanden ist. Die Sklaven, die hauptsächlich aus Angola nach Brasilien verschifft wurden, hatten keine Möglichkeit sich gegen die Besetzer mit Waffen zu wehren. Also fingen sie heimlich an eine Selbstverteidigungstechnik zu entwickeln (Capoeira : zu Deutsch: Unterholz). Da es den Sklaven natürlich verboten war, jegliche Form von Kampfsport auszuüben, tarnten sie die Capoeira als Tanz., um dadurch einer sonst unvermeidlichen Strafe bei Entdeckung zu entgehen (vgl. „Spiele der Welt“,2001).

 

1.2 In der Sklaverei

 

Ab ca. 1814 begann jedoch trotzdem in Brasilien die Verfolgung und Unterdrückung der Capoeira durch die weißen Herren, und 1890 wurde sie endgültig per Gesetz verboten. Doch welchen Grund gab es für die weißen Herren, diese Ausdrucksweise der Sklaven zu verbieten? Capoeria war eine kulturelle Ausdrucksform der „Neger“. Sie gab ihnen viel Selbstvertrauen, schmiedete aus ihnen gefährliche Kämpfer und bescherte den Sklaven ein gewisses „Nationalgefühl“. Auch wenn sie nicht alle aus der gleichen Gegend Afrikas kamen, so besaßen sie durch die Capoeira doch etwas, das sie vereinte und ihnen ein Zusammen gehörigkeitsgefühl vermittelte ( vgl. Nestor Capoeira (2000),2000,S.30-31). Das war für die weißen Regierenden Grund genug, sie verfolgen und bestrafen zu lassen. Allerdings konnten sie nicht, wie durch das Verbot erwünscht, den Untergang der Capoeira herbeiführen, da diese weiterhin im “Untergrund“ existierte. Dies vor allem in der Provinz Bahia und in Rio de Janeiro.

 

1.3 Entwicklung der Capoeira

 

zwischen 1800 und 1900 in Rio de Janeiro Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren Capoeiristas zumeist schwarze Bandenmitglieder und arme Leute, die „mit Klappmessern bewaffnet“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.33) durch die Straßen von Rio de Janeiro zogen. Aus diesem Grund wurden diese Banden zwangsläufig von Staat und Polizei verfolgt. 1824 wurden beispielsweise Capoeiristas zu jeweils 300 Peitschenschlägen und zu Zwangsarbeit verurteilt. Capoeira war zu jener Zeit eine richtige „Straßenkampftechnik“, die, bedingt durch die sozialen Missstände, im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger aus den verschiedenen afrikanischen Nationen bekam (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.34). Ab 1850 breitete sich die Bewegung der Capoeira auch auf andere Bevölkerungsgruppen aus. Auch schon „befreite Sklaven, Polizeibeamte, reiche portugiesische Einwanderer , Intellektuelle und sogar die Jugend der Elite von Rio“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.34) schlossen sich der Bewegung an. Als Brasilien 1865 in den Krieg gegen Paraguay eintrat, wurden Bataillone von Capoeiristas gewaltsam rekrutiert, um der brasilianischen Armee zu dienen (vgl. Nestor Capoeira (2000), S.36). Zu dieser Zeit gab es während eines Capoeira-Kampfes bereits die Begleitung durch Trommeln und Gesang, jedoch noch nicht den Berimbau, der heute als heiliges Instrument der Capoeira angesehen wird. Auch gab es noch keine Akademien, in denen Capoeira unterrichtet wurde; es gab lediglich „Capoeira-Trupps (Banden)“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S. 37), in denen man sich Kenntnisse aneignen konnte. Um in eine solcher Gruppen aufgenommen zu werden, musste man zuerst als Diener und Handlanger tätig sein. „Das Ende dieser „Lehrzeit“ wurde durch das Tragen des Klappmessers und eines Hutes angezeigt“ (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.37). Capoeira war eine Politik der Straße. Der Kampf auf der Straße vermischte sich oftmals mit den parteipolitischen Auseinandersetzungen der Elite Brasiliens. Capoeiristas erfüllten mit Regelmäßigkeit Aufgaben und Aufträge einiger politischen Gruppierungen.

 

1.4 Beginn einer neuen Ära

 

Die Akademien von Bimba und Pastinha 1930-1950 Die zwei wichtigsten Persönlichkeiten der Capoeira dieses Jahrhunderts sind ohne jeden Zweifel „Mestre Bimba“ und „Mestre Pastinha“. Beide gehörten zu den ersten Meistern, die Capoeiraschulen eröffneten und ihr damit eine neue Entwicklungsrichtung gaben.

 

1.4.1 Mestre Bimba

 

Bimba wurde 1900 in Salvador im Bundesstaat Bahia geboren und begann im Alter von 12 Jahren mit der Capoeira. In dieser Zeit befand sich die Capoeira unter strengster Verfolgung mit Androhung höchster Strafen (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.41). 1930 änderte sich jedoch die Situation. Das Ausführen von Capoeira wurde nun genehmigt. Mestre Bimba begann einen neuen Capoeirastil zu erschaffen: die sogenannte „Luta Regional Baiana“ (regionale Kampfkunst Bahias), heutzutage besser bekannt als „Capoeira Regional“. Dieser neue Stil fand sehr schnell Verbreitung, da Bimba als erster begann Akademien zu gründen, in denen er seine Capoeira Regional unterrichtete. Davor gab es einen solchen Capoeira-Unterricht nicht. Man hatte eigentlich nur die Möglichkeit, sich die Bewegungen bei den „alten Hasen“ abzugucken und hoffte darauf, vielleicht einmal einen Tipp von diesen zu bekommen. Mit seinen Schulen öffnete Bimba nach der Zeit der Sklaverei und des Untergrundes nun die Tür für das Zeitalter der Akademien, in denen jetzt auch Bürger der Mittelklasse und das Bürgertum Salvadors (Hauptstadt der Provinz Bahia) trainierten (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.42-43). Bimba brachte Techniken aus anderen Kampfsportarten wie Judo, Boxen oder Ringen in die Capoeira ein. Hohen Bekanntheitsgrad erreichten vor allem die von Bimba eingeführten “Sequencias“. Bestimmte Sequenzen von Bewegungsabfolgen, die jeweils von zwei Schülern ausgeführt wurden. Mestre Bimba hatte sehr viel Erfolg mit seiner neuen Capoeira Regional, jedoch führten die vielen neuen Bewegungen und das neue Publikum zu einer großen Veränderung der Capoeira dieser Epoche. Die alte traditionelle Capoeira trat in den Hintergrund, ohne jedoch dabei zu verschwinden. Viele Meister unterrichteten weiterhin den alten Stil, von denen besonders Mestre Pastinha einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte (vgl. Nestor Capoeira (2000),S.43).

 

1.4.2 Mestre Pastinha

 

Mestre Pastinha wurde 1889, also 11 Jahre früher als Mestre Bimba, geboren. Im Gegensatz zu Bimba war Pastinha eher von kleiner Statur, jedoch nicht weniger gefährlich. Ebenso wie Bimba eröffnete er mehrere Capoeira –Akademien, in denen er allerdings nicht die Capoeira-Regional, sondern die traditionelle Capoeira lehrte. Dieser Stil bekam daraufhin den heute noch immer gebräuchlichen Namen „Capoeira Angola“ (vgl. Nestor Capoeira (2000), S.44).

 

1.5 Die Vereinheitlichung der Capoeira

 

In den siebziger und achtziger Jahren breitete sich Capoeira auch in Europa und in den USA aus. Bahia verlor seine Vormachtstellung als „wahrer Capoeira Ursprung“ mit den Mestre Bimba und Pastinha. Die Capoeiragruppen aus Rio und Sao Paulo wurden immer größer und bedeutender. Aufgrund des besseren „Show-Effektes“ und des begleitenden Spektakels, das dem Zuschauer geboten wurde. begann die Capoeira Regional der Capoeira Angola immer mehr den Rang abzulaufen (vgl. Nestor Capoeira (2000), S.48-50). Aus bis heute nicht geklärten Gründen begann jedoch ab ca. 1985 bis 1990 ein erneuter Aufschwung der Capoeira Angola, so dass es wieder zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen den beiden Stilarten kam ( vgl. Nestor Capoeira (2000),S.51).

 

2. Das Spiel im Kreis (Roda)

 

Das Spiel in der Roda, dem Kreis, der von den Capoeiristas gebildet wird, besteht aus drei Elementen: der Musik, dem Gesang und dem körperlichen Spiel. Alle drei Elemente gehören unbedingt zusammen und dürfen bei einer „echten“ Roda nicht fehlen.

 

2.1 Musikalische Spiel

 

Das musikalische Spiel besteht aus den vier elementaren Instrumenten der Capoeira: dem Berimbau, dem Pandeiro, der Atabaque und dem Agogo. Das bedeutendeste Instrument für die Capoeira ist ohne Zweifel der Berimbau, der schon teilweise den Platz eines heiligen Instrumentes in der Capoeira (vor allem der Capoeira Angola) einnimmt. Der Berimbau ist ein Bogen aus Holz (im Idealfall echtes Berimbaholz), der mit einem Draht gespannt wird, der meistens aus einem Autoreifen entnommen wird. Um diesen Draht wird die Cabassa gespannt. Die Cabassa ist ein Tonkörper, der aus einem Kürbis geschnitzt wird. Hinzu kommen noch das Caxixi, getrocknete Samenkörner in einem Strohgeflecht, ein Stein und ein schmaler Holzstab. Den Berimbau hat seinen Ursprung in Afrika und wurde von den Sklaven mit nach Brasilien gebracht. Jedoch war er zunächst nicht wesentlicher Bestandsteil der Capoeira und erlangte erst durch Mestre Bimba seine besondere Bedeutung. Der Berimbau gibt immer den Rhythmus des Spiels vor und ist das Instrument, das mit der Musik beginnt (vgl. „Spiele der Welt“). Daran anschließend erklingen die Pandeiros, sogenannte Handtrommeln (Tamburin) ,die auch in vielen anderen Ländern und Musikstilen beheimatet sind. Als drittes Instrument kommt dann die Atabaque hinzu. Die Atabaque ist eine Trommel, die den Congas sehr ähnelt, doch in den Herstellungsmaterialien Unterschiede aufweist. Zuletzt kommt schließlich das Agogo hinzu. Eine metallisches Gerät, das mit einem Stock bedient wird und Glockengeräusche erzeugt.

 

2.2 Wortspiel / Gesang

 

Nachdem der Rhythmus begonnen hat und alle Instrumente involviert sind, beginnt der Gesang. Als erstes singt einer der Capoeiristas die Ladainha. Dies ist eine Art Einleitungslied, in dem die Capoeiristas auf das kommende Spiel „eingeschwört“ werden sollen. Während dieses Liedes darf das körperliche Spiel noch nicht begonnen werden. Auch das Klatschen mit den Händen ist verboten. Nach diesem Lied kommt die Chula. Hier werden nun auch die anderen Capoeiristas mit in das Spiel einbezogen. Der Sänger singt jeweils eine Strophe vor, auf die der Chor Mitspieler immer mit einen bestimmten Refrain antwortet und gleichfalls zur Melodie rythmisch klatscht. Die Lieder handeln von den unterschiedlichsten Themen: Religion, Liebe, Sklaverei, Heimat, alles ist möglich. Sie kommentieren jedoch auch das jeweilige Spiel in der Roda. Dabei werden zumeist Metaphern benutzt, um eine bestimmte Sache auszudrücken. Beispiel: „Ich bin auf einen Blatt ausgerutscht, schwipp, schwapp“, im Falle eines mit der Fußfegertechnik zu Boden gebrachten Spielers.

 

2.3 Das körperliche Spiel

 

Jetzt, wo Musik und Gesang zu einer Einheit geworden sind, kann das eigentliche Spiel, das „Jogo“ beginnen. Zwei Spieler kauern zu Füßen des Berimbau und starten von dort aus mit einem Rad in die Roda. Nun werden alle Techniken dargeboten, ohne jedoch einen Köpertreffer zu erzielen. Die Kunst der Capoeira liegt darin, seinen Körper zu kontrollieren und ihn passend zum Rhythmus der Musik und zu den Tritten des Gegenübers zu bewegen. Wie .eine Art Schattenboxen kann man sich dies vorstellen. Natürlich kommen auch ab und zu Körpertreffer vor; jedoch dienen sie mehr zum Aufzeigen der Defizite und erklären somit, woran noch gearbeitet werden muss. Man versucht sozusagen sein Gegenüber auf „elegante und nette Weise“ zu Boden zu bringen. In der folgenden Tabelle sind einige dieser inoffiziellen Capoeiraregeln aufgelistet. Diese Regeln kennt jeder Capoeirista und sie müssen daher nicht vor jeder Roda angekündigt werden.

 

2.4 Inoffizielle Regeln ( vgl. J.Lewis „Ring of Liberation“ Seite 92)

 

1 ) Active play is between two contestants inside the ring

1.1 Obey the conventions for entering and leaving the ring

1.2 During play don´t move outside the ring

1.3 Shake hands with your opponent before and after the bout.

 

2) Try to take your opponent down.

2.1 Only feet, hands and head should touch the ground.

2.2 Don´t try to injure opponent physically.

2.3 No strikes with closed fist are permitted.

2.4 No pushing allowed, except as part of a takedown.

2.5 Emotional, physic and/or prestige damage are okay.

 

3) Always be ready to defend against an attack.

3.1 Don´t turn your back on opponent.

3.2 Keep your hands up for protection.

3.3 Keep your eyes on your opponent at all times.

 

4) There is no play without music ( Berimbau).

4.1 Music starts before musical play.

4.2 When music stops, play stops.

 

5) Don´t block attacks ( exept before they mature)

5.1 Escape, then counterattack.

5.2 Be prepared to escape from most common attacks.

5.3 Be prepared to attack most common escapes.

 

6) Keep moving ( ginga).

6.1 Try to increase your freedom of movement while decreasing that of your opponent.

6.2 Never come to a complete stop.

 

7) Try to deceive your opponent into becoming vulnerable.

7.1 Establish patterns, only to break them.

7.2 Pretend to do one thing, then do another

 

Wann aber endet ein Spiel zweier Capoeiristas und wann beginnt ein neues Spiel? Wenn ein neuer Spieler in die Roda möchte, so muss er das Spiel kaufen („comprar o jogo“). Dies geschieht. Indem während des Spiels ein Spieler vorsichtig in den Kreis geht, einen anderen Spieler anschaut, ihm ein Handzeichen gibt und dann wartet bis daraufhin dieser andere Spieler den Kreis verlässt. Dies sind feste Capoeira Regeln. Wenn man als Spieler „herausgekauft“ wird, muss man den Kreis auch verlassen und darf nicht darin bleiben. Ausnahmen gibt es nur bei den „Mestres“, die nur dann eine Roda verlassen müssen, wenn sie es selbst möchten. Die Bewegungen im Kreis beinhalten viele Kicks und Tritte wie auch in anderen Sportarten. Jedoch gibt es bei der Capoeira Regional zusätzlich auch sehr viele akrobatische Bewegungen (Salto, FlicFlac, Handstandüberschlag),.die mit in das Spiel einbezogen werden. Viele dieser Bewegungen wurden der Tierwelt nachempfunden und tragen daher auch die Namen dieser Tiere (Affe, Schwanz des Rochen, Flug der Fledermaus, etc.). Die Grundbewegung und Basis aller Capoeira Bewegungen ist die „Ginga“. Ein rhythmischer Grundschritt, der die Grundlage für das Capoeiraspiel ist. Beim Capoeira bleibt man niemals stehen, wie vielleicht bei anderen Kampfsportarten, sondern der Körper muss ständig in Bewegung bleiben und wenigstens die Ginga ausführen.

 

2.5. Ränge

 

Ebenso wie in den asiatischen Kampfsportarten, gibt es auch in der Capoeira verschiedene Ränge und Gürtelfarben. Jedoch gibt es kein einheitliches Farb- und Gürtelmuster. In der einen Schule ist der rote Gürtel der Gürtel des Meisters. In einer anderen Schule ist es vielleicht der Gelbe und in einer dritten Schule der Grün-Weiße. Ebenso unterschiedlich sind die Stufen bis zur Meisterprüfung. Die Zahl liegt zwischen zehn und dreißig Stufen, je nach Schule. Ebenso uneinheitlich sind die Anforderungen, um einen neuen Rang, eine neue Stufe, zu erhalten. Manche Schulen legen mehr Wert auf das Singen und das Musizieren. Andere wieder auf Kicks oder auf „Sequencias“. Gemeinsam jedoch haben sie, dass der Meister jeweils den höchsten Rang darstellt und danach der „Contramestre“ und der „Professor“ folgen.

 

 

 

   
   


 

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